Es hat uns ausnahmsweise mal zu etwas Anderem als einem Vespa-Treffen gelockt. Unser Gespann-Bauer, Theo Däschlein, hat uns letztes Jahr mit Berichten und Bildern vom MotoGiro d’Italia verführt. Wir vertrauten dann auch seiner Einschätzung, dass es in der Touristen-Klasse für uns und unser Gespann machbar ist, und gönnten uns zum runden Geburtstag mal etwas Besonderes. Mit einem Anhänger ging es zur Fähre nach Genua und weiter nach Sardinien, wo MotoGiro dieses Jahr ausgetragen wurde.
Jedes Jahr treffen sich Fahrer aus aller Welt meistens mit Oldtimern aber auch mit neueren Motorrädern für eine Woche in einer Gegend Italiens, wo an sechs Tagen schöne Strecken (je ca. 250 bis 300 km) gefahren werden. Für Gepäcktransport war gesorgt, sodass die Fahrzeuge nicht unnötig beladen sein mussten. Rotes Kreuz und Polizei begleiteten uns mit vielen Motorrädern und Autos, und in den Städten waren oft Einmündungen während des Zeitfensters für die Durchfahrt des Feldes abgesperrt. Als Sponsor war diesmal der Zoll dabei, der seine teilnehmende Museums-Guzzi mit eigenen Blaulicht-Fahrzeugen begleitete.
Für die Woche wird man als Mitglied in die FIM (Fédération Internationale de Motocyclisme) aufgenommen. Herausforderung für alle Teilnehmer ist das finden der exakten Strecke anhand ausgehängter Pfeile und eines Road-Books. Dabei sind jeweils in einem bestimmten Zeitfenster die offenen und verdeckten Kontrollpunkte zu passieren, Stempel zu sammeln und ggf. Parcours mit Zeitmessung und Hindernissen zu bewältigen. Unser Gespann hätte die meisten Parcours nicht durchfahren können, sodass wir ohnehin nur als Touristen angemeldet waren. Da bleibt schon mehr Zeit für einen gelegentlichen Kaffee und den extra Blick oder ein extra Foto bei den Besichtigungsmöglichkeiten. Wir durften mit den ersten Startern aufbrechen (also vorm offiziellen Start der Touristen).
Es gibt einen Zeitrahmen, wann Kontrollpunkte geöffnet sind. 15 Minuten vor der Zeit im Roadbook bis ca. 30 Minuten danach (Zeiten für allgemeine Staus werden berücksichtigt). Aber auch bei voller Ausschöpfung dieser zusätzlichen 3/4-Stunde erwies sich das Fahren als „sportlich“, weil es um viele Kurven mit Steigungen und Gefällen ging, und weil nicht wenige Risse und Schlaglöcher in den Straßen rechtzeitig erkennt und umfahren werden mussten, was mit der zweiten Spur des Beiwagens nicht immer leicht ist.
Besondere Hochachtung hatte ich vor den Fahrern ganz alter, schwach motorisierter Motorräder wie z.B. eine Terrot. Da blieb kaum Zeit für eine Pause – Wasser mitnehmen für den Fahrer und zum kühlen der Maschine, wenn ein längerer Abschnitt mit seiner Höchstgeschwindigkeit gefahren werden konnte, und dann gleich wieder auf die Straße…
Schade, denn an den Stempel-Stellen gab es neben Wasser oft auch leckere lokale Spezialitäten zu verkosten.
Die Abende fühlten sich etwa wie bei großen Vespa-Treffen an. Sie waren mit Essen, Wein, Tagesauswertungen und Preisverteilungen (besonders am letzten Tag) sehr lang und laut – und auch die Verteilung der tollen Speisen funktionierte an den Tischen unterschiedlich zuverlässig. Aber wer nicht vegetarisch gebucht hatte, ging sicher sehr satt ins Bett.
Immerhin war es (seit langem) mal MotoGiro ohne einen Tag Regen. Das war gut für die Sicherheit auf den Straßen und gab Gelegenheiten zum Genuss der Aussicht.
Als wir am Ende noch mit einem 2. Platz in der Roller-Klasse bedacht wurden, war die Überraschung groß. OK, es gab nur drei Roller, aber wir waren doch nur Touristen…
Fazit: Es war toll, sich diesen Luxus einmal zu gönnen. Und eigentlich sind viel zu wenig Vespas dabei, weshalb wir gerne Kontakte vermitteln, wenn das Interesse geweckt wurde.
Gerd P
Lesetipp: MotoGiro d’Italia in Sardinien (RevZilla, englisch)
































































